BASLER FORUM FÜR ÄGYPTOLOGIE

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Donnerstag, 19.05.2016, 18:15 Uhr
Rosshofgasse 2, CH-4051 Basel: "Schnitz" S02 (Tram 3, Bus 30 und 34: Haltestelle Universitšt)

lic. phil. Clémentine Reymond, Basel
Amarna-lects: Sprachregister in den Texten der Amarnazeit

Abstract der Referentin

Echnatons neue Sprache?

Die Amarnazeit bezeichnet die 17-jährige Regierungszeit des Pharaos Echnaton, eine Periode, die sich durch den Versuch einer religiösen Revolution monotheistischer Tendenz auszeichnet: die polytheistische Staatsreligion wird durch den Kult um den Sonnengott Aton ersetzt. Begleitet wird dieses neue politisch-religiöse Programm von einer Theokratie, die auf die Person des Königs zentriert ist. Diese neuen Ideen werden durch alle Bereiche der offiziellen Kultur proklamiert: Von Kunst, Architektur und Städtebau bis hin zur Verwendung einer neuen Schriftsprache.

In der Amarnazeit dringen nämlich in grossem Masse sogenannte Neuägyptizismen in alle Texte und -gattungen ein. Traten diese innovativen Sprachmerkmale vor Amarna bereits vereinzelt in die Texte des Alltags (Briefe, juristische Dokumente) und in königliche Inschriften ein, so finden sie unter Echnaton auch Eingang in die religiösen Texte. Aus sprachhistorischer Perspektive bildet die Epoche eine wichtige Etappe in der Entwicklung vom Mittelägyptisch (Sprache des Mittleren Reiches) zum Neuägyptisch (Sprache des Neuen Reiches unmittelbar nach Amarna). Die Untersuchung dieses Phänomens ist komplex, da die Veränderung der Sprache mit einem sich verändernden kulturellen Horizont einhergeht. Zudem weisen die Texte der Amarnazeit grosse sprachliche Variation in der Verwendung älterer und jüngerer Sprachmerkmale zwischen den Texten aber auch innerhalb eines Textes auf.

Anhand von Beispielen aus den Grenzstelen Amarnas und anderen Texten werden verschiedene Variationsphänomene und mögliche Deutungen vorgestellt. Um die neuen Konzepte und Ideen des Atonismus zu verbreiten, musste Echnaton sich einer neuen Sprache bedienen, die in der textuellen Tradition der vorangehenden 18. Dynastie verankert ist, aber durch kreativen Umgang entsprechend adaptiert wurde.

Bildnachweis  

© C. Reymond

Update: 03.5.2016 Webdesign: R. Gautschy © Basler Forum für Ägyptologie