BASLER FORUM FÜR ÄGYPTOLOGIE

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Donnerstag, 26.03.2015
DEPARTEMENT ALTERTUMSWISSENSCHAFTEN, PETERSGRABEN 51, CH-4051 Basel: RAUM 306 (3. Stock) (Tram 3, Bus 30 und 34: Haltestelle Universität)

Dr. Beatrix Gessler-Löhr, Universität Heidelberg
Saqqara als Nekropole der Elite des Neuen Reiches in der 18. Dynastie. Ausgrabungen in Museen

Abstract der Referentin

Die memphitischen Friedhöfe des Neuen Reiches liegen verstreut auf dem westlichen Wüstenplateau zwischen Giza-Süd und Dahschur mit Saqqara als dem eigentlichen Zentrum. Dabei haben sich während der spektakulären Grabungserfolge der letzten Jahrzehnte die Nekropolen nördlich der Teti-Pyramide und südlich des Unas-Aufwegs als Areale für frei stehende, zuweilen tempelähnlich ausgestaltete Kapellen mit dekorierten Säulenhöfen erwiesen. Am Südabhang des Bubasteions trafen die Ausgräber dagegen auf eine beachtliche Anzahl von tief in den Fels getriebenen Grabkomplexen. Die bereits mehr als 60 – entweder bis dahin unbekannten oder unter Sandmassen verschütteten und wieder aufgefundenen – Gräber von Verwaltungsbeamten, Tempelpersonal, Kunsthandwerkern sowie Angehörigen von Militär und Marine aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten stammen überwiegend aus der Nach-Amarnazeit und der Epoche der frühen Ramessiden. Seit Tutanchamun Memphis wieder zur Residenzstadt erhob, der Hof Amarna verlassen mußte und dem König folgte, ließen sich auch viele Würdenträger der nationalen Elite auf den Friedhöfen der Hauptstadt bestatten.

Allerdings verschleiert dieser eindrucksvolle Befund zugleich die tatsächliche Quellenlage, da Dutzende Gräber noch nicht relokalisiert werden konnten und nur durch die vielen, nach Kairo und in die Museen der Welt gelangten Architekturelemente wie Stelen, Reliefblöcke, Pyramidia und Säulen sowie unzählige Objekte an Grabinventar und Beigaben (u.a. Särge, Kanopen, Statuen, Uschebtis, Mumienschmuck, Geräte und Gefäße) bekannt sind. Seit dem frühen 19. Jh. wurden die Neuen-Reichs-Gräber in Saqqara punktuell angegraben und ausgeräumt, worauf die Antiquitätenhändler, Reisenden und ausländischen Diplomaten – später auch offiziell beauftragte Forscher – ihre Fundstücke an vorwiegend europäische Fürstenhöfe und interessierte Museen verkauften bzw. ablieferten. Die Untersuchung dieser heute weltweit verstreuten Nécropole imaginaire beweist, dass sich bereits ab der mittleren 18. Dyn. neben der lokalen Oberschicht auch Angehörige der Hofgesellschaft ihr Grab nicht in Theben, sondern in Saqqara anlegen ließen. Daneben wird exemplarisch gezeigt, wie im Idealfall seit langem bekannte Museumsobjekte einem der wieder entdeckten Gräber zuzuordnen sind und so einzelne Grabkonvolute – zumindest teilweise – virtuell wieder zusammengeführt werden können.        

Beatrix Gessler-Löhr                      
Ägyptologisches Institut der Universität Heidelberg

Photo: ©  Boyo Ockinga

Photo: ©  B. Gessler-Löhr (Aufnahme von 1988)

Bildnachweis  

© B.Ockinga

© B. Gessler Löhr

Update: 10.02.2015 Webdesign: H. Jenni © Basler Forum für Ägyptologie