BASLER FORUM FÜR ÄGYPTOLOGIE

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19.11.2010, um 19:00 Uhr, Rosshofgasse 2, CH-4051 Basel: "Schnitz" S 01 (Tram 3, Bus 30 und 34: Haltestelle Universität)

Prof. Dr. Jochem Kal, Berlin
Assiut – Forschungen, Funde und Befunde

Abstract des Referenten

 

Die mittelägyptische Stadt Assiut, ungefähr 375 km südlich von Kairo auf dem Westufer des Nils gelegen, zählt seit dem Alten Reich zu den Zentralorten Ägyptens. Hinter den großen altägyptischen Zentren Theben, Heliopolis, Memphis und Hermopolis nahm Assiut eine prominente theologische und religionshistorische Stellung im mittel- und oberägyptischen Raum ein und ist auch heute noch als Provinzhauptstadt und eine der acht größten Städte Ägyptens von höherer Bedeutung.
In Assiut waren während der Antike mehrere Tempel in Betrieb. Schriftliche Quellen bezeugen Tempel des Upuaut, des Hauptgottes der Stadt, des Anubis, des Osiris, der Hathor, des Thot und des Djefaihapi.
Wenngleich die antike Stadt heute unwiederbringlich unter der modernen Siedlung verloren zu sein scheint - in ca. 8 m Tiefe konnte der Upuaut-Tempel des Neuen Reiches lokalisiert werden -, liefert die auf dem Berg „Gebel Asyut al-gharbi“ gelegene Nekropole Hinweise und Zeugnisse zur Stadtgeschichte. Allerdings haben unprofessionelle und teilweise bis heute unveröffentlicht gebliebene Ausgrabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Zerstörung weiter Teile der Nekropole beigetragen. Der Fundplatz selber, die antike Stadt, die Tempel und die Nekropole standen seit den 1920er-Jahren nicht mehr im Zentrum des Interesses. Versuche, in Assiut wieder zu arbeiten, scheiterten zu Beginn der 1990er Jahre an der damals akuten Terrorgefahr in Mittelägypten.

Seit 2003 wird in deutsch-ägyptischer Kooperation (Universität Sohag, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Freie Universität Berlin) erstmals seit über 80 Jahren auf dem Gebel Asyut al-gharbi, auf dem Gräber, aber auch Steinbrüche, Klöster und Eremitenklausen errichtet wurden, wieder archäologisch gearbeitet. Monumentale Grabbauten der Ersten Zwischenzeit (21. Jh. v.Chr.) und des Mittleren Reiches (20. Jh. v.Chr.), deren Inschriften Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses der alten Ägypter waren und noch über 2000 Jahre später tradiert wurden, werden erstmals vollständig dokumentiert, der Gräberberg wird erstmals kartiert. Weitere Ziele des Projektes sind die Untersuchung von Besuchergraffiti, die im Neuen Reich (16.-13. Jh. v.Chr.) vermutlich während Schulausflügen an Grabwänden angebracht wurden, sowie ein Hundegrab. Das Projekt trägt zur Rettung und Bewahrung von Wissen bei, das die Alten Ägypter als wesentlichen Bestandteil ihrer Kultur empfunden haben.

Die von 2003 bis heute durchgeführten Unternehmungen des Projektes erbrachten zahlreiche neue Beobachtungen im Gelände, die zu einer ersten Gesamtdarstellung des Gebel Asyut al-gharbi (Jochem Kahl, Ancient Asyut. A First Synthesis after Three-hundred Years of Research, Wiesbaden 2007) sowie zu zahlreichen Aufsätzen und zu einer Neubeurteilung der Situation auf dem Berg wie - auf den dort gefundenen Quellen basierend - in der antiken Stadt führten. Der geplante Vortrag wird die besonderen Umstände der Arbeit in Assiut beleuchten und bereits erzielte Ergebnisse vorstellen, aber auch auf neueste Funde und Befunde der von August bis Oktober 2010 durchzuführenden Feldarbeit eingehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildnachweis  

Photo: © Jochem Kahl.


Update:18.08.2010 Webdesign: H. Jenni © Basler Forum für Ägyptologie